EM-Qualifikation 2016: Bundesligaspieler dominieren ÖFB-Kader

Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia

Nach dem letzten Spieltag in der Qualifikation zur EM 2016 stehen viele der Tabellen Kopf: statt den Gruppenköpfen Deutschland, Portugal, Russland, Spanien, Niederlande, Bosnien und Herzegowina sowie Griechenland haben Außenseiter wie Island, Wales oder Österreich die Spitzenpositionen übernommen. Lediglich in Gruppe E und H scheint die Welt noch in Ordnung:

England, das bei der WM 2014 in Brasilien mit 1:2 (Italien), 1:2 (Uruguay) und 0:0 (Costa Rica) bereits in der Gruppenphase sang und klanglos untergegangen ist, hat sich bei voller Punkteausbeute an die Tabellenspitze gesetzt. Ebenfalls ohne Punkteverlust ist Italien, das sich, gleich seinem WM-Leidensgenossen, vom Zuckerhut bereits vor der K.o.-Phase verabschiedet hat. In der EM Qualifikation aber reiht sich die Squadra Azzurra nur dank schlechterem Torverhältnis hinter Gruppenkonkurrent Kroatien ein. Bei den anderen Gruppen-, und nicht zuletzt auch WM-Gesamtsiegfavoriten herrscht zur Zeit hingegen Ratlosigkeit.

DFB-Trainer Joachim Löw erneut unter Kritik

Es ist der schlechteste Start in ein Qualifikationsturnier, den die DFB-Elf je hingelegt hat: Auf den glanzlosen Auftaktsieg gegen Schottland (2:1 am 07.09.2014), folgten die „Pleite von Warschau“ (2:0 am 11.10.2014), wie die historisch erste Niederlage gegen Polen, sowie die erste Niederlage nach 18 Pflichtspielen und nach 33 Quali-Spielen bereits bezeichnet wird, und das 1:1 gegen Irland am letzten Spieltag (14.10.2014).

Ex-Torwart Jens Lehmann hält infolge harsche Worte bereit: „Was wir nach wie vor nicht haben, sind Außenverteidiger … Ihr hattet jetzt acht Wochen. Trotzdem ist auf den Außenverteidigern nicht zu erkennen, wer dafür infrage kommt.“ Welttorhüter des Jahres, Manuel Neuer, hingegen empfiehlt er, mit Blick auf seine mutigen Schritte aus dem Tor heraus, ein „bisschen zu üben“. „Seine Startposition“, wenn er rausläuft, sei „nicht gut“. Rat für Joachim Löw halten auch die deutschen Sportfans parat: in einer SID-Umfrage sprach sich die Mehrheit für die Rückkehr eines klassischen Mittelstürmers, wie es Mario Gomez ist, aus.

Quoten für die EM 2016 auf wettanbieter.de

Trotz des schlechtesten Starts in eine Qualifikation, den die deutsche DFB-Elf je hingelegt hat: die Wettanbieter vertrauen lt. der Abbildung oben weiterhin auf die Stärke der deutschen Mannschaft und listen sie als Top Favorit für die EM 2016 in Frankreich. Mit dem Gastgeber als ersten Herausforderer sowie den Spaniern und Niederländern im erweiterten Favoritenkreis setzen die Buchmacher auf die gewohnten Titelkandidaten (Bildquelle: wettanbieter.de)

Für den Bundestrainer aber ist Kritik an Spielanlage und Personalentscheidungen nichts Neues, sondern zählen zum Alltag. So wurde unter anderem, als jüngeres Beispiel, auch die Bekanntgabe der nunmehrigen Weltmeister-Auswahl für Brasilien von vielen Seiten mit wenig positiven Worten aufgenommen. Auf Alternativen im Sturm (außer Klose reiste kein echter Stürmer mit) und links außen zu verzichten, stieß als großes „Risiko“ auf wenig Gegenliebe.

Letztendlich haben die Entscheidungen von Joachim Löw aber zum Weltmeistertitel geführt. Und auch in der EM-Qualifikation ist, bei 7 ausstehenden Gruppenspieltagen, noch längst keine Vorentscheidung getroffen. Dennoch ist die, nicht nur auf einen Einzelfall reduzierte Leistung der sogenannten Fußballzwerge nicht gering zu werten.

Island, Albanien, Österreich und Wales: sie alle wollen nach Frankreich

Mit dem 3:0 gegen die Türkei, aber insbesondere dem 2:0 gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden hat Island am ersten und dritten Spieltag der EM Qualifikation gehörig von sich reden gemacht. Neben den Negativschlagzeilen wegen Ausschreitungen im Spiel gegen Serbien hat auch Albanien für eine Überraschung gesorgt: mit einem 1:0, auswärts gegen Portugal, und einer Punkteteilung mit Dänemark. Die Unentschieden gegen Schweden und Bosnien sind hingegen der jeweils größte Erfolg, den Österreich und Wales bisher für sich verbuchen konnten.

Für die Tabelle haben diese Außenseitererfolge ungewöhnliche Konstellationen zu folge. In Kombination mit den von der UEFA geänderten Teilnahmemodalitäten gibt dies aktuell berechtigte Hoffnung, 2016 tatsächlich in Frankreich aufspielen zu können: statt wie bisher 16, werden nämlich erstmals 24 Mannschaften zur kontinentalen Meisterschaft zugelassen. Aus eigener Kraft zu einer EM, hat es Österreich zuletzt 1964 geschafft (2008 Teilnahme als Gastgeber). Für Albanien und Wales stellte es die jeweils zweite Teilnahme nach 1964 bzw. 1976 dar, für Island aber wäre es die erste Qualifikation zu einer Endrunde überhaupt.

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